Samstag

Für Abel.

Auf dem Schachbrett deiner Brust liege ich,
liege, die Hand am Herzen, deiner,
staune –
so schmeckt der Hauch der Freiheit also,
eine Möglichkeit der Liebe,
die stets Insel ist,
& lautes Stürmen,
ein gekreuzter Weg vielleicht,
eine Hand, verschränkt in Händen,
du –
niemand außer dir –
& ich, der außer mir ist,
deinetwegen,
beuge mich meiner,
nur den Ängsten nicht,
beuge mich ganz über dich,
sodass wir uns berühren,
& küsse – sanft – deine Lider & Wangen,
bis alles ganz ist zwischen uns,
still & warm –
wie geträumt.

Dein blaues Hemd

Für G.

1.
Zwei Hände, die aufeinander lagen,
Beine, die warm waren unter dem Stoff,
Körper & Stimmen, wie geschüttelt.

Wir ragten zueinander hin wie Berge,
lehnten uns an, gaben nicht nach,
& in der Ferne dröhnten die Wände
im Hunger.

Hier –
dein Flattern wie Fledermausflügel:
Herz!
Dein alter Ton, dein altes Lied – sing nicht weiter,
sag nicht: Liebe,
mein Blindes, mein Echolot,
zwischen uns passt kein anderer Blick,
kein Blatt Papier passt mehr zwischen uns,
was passt denn noch
da-zwischen uns?

Ich kenne deine Spiele.

2.
Als der Wind von vorne kam,
da hab ich mich umgedreht nach dir,
da haben wir uns angesehen,
du an der Ampel & ich auf dem Weg,
schon mit Abstand,
unscharf an den Rändern:
Wir Jackenmenschen, wir wussten nichts vom Lächeln,
aber angesehen haben wir uns,
ganz kurz nur, eine Rotphase –
eine Sehnsucht lang,
die stärker war als jedes Wort,
viel zu schwach zur Umkehr
einer Umarmung,
& jeder ging heimwärts
in ein fremdes Zuhause.

3.
Ich kenne deine Spiele:
dein Berühren, das zu-fällt wie Türen,
nur zufällig ist es nicht –
jede Fingerspitze: eine Kometenlandung –
du scannst mich wie ein Lasergerät
& schiebst mich vom Fließband in Plastik,
& ich, ich atme mich in dein Gesicht,
so als verspreche es was,
mehr Wörter vielleicht, andere Wörter,
präzisere, gefühlvollere,
Wörter, die nicht banal sind, sobald ich sie sage,
Glanzwörter,
wie mit Schokolade überzogen zum Zergehenlassen,
zum Gehenlassen,
nur beim Abschied erkenne ich kaum dein Gesicht,
ja, bis bald, komm gut
wohin, eigentlich?
Da hin, wo ich nicht bin?

Es folgt mir kein Kuss.
Kein Ruf läuft mir nach.
Mein Name bleibt stets ungesagt,
& auch die Arme sind zu weit weg von den Händen,
die sich eben noch vergreifen wollten ineinander.
Auch die Lippen treffen sich nicht,
auch zufällig nicht,
sie sind Kontinente & driften,
driften fort voneinander,
sind Märchen & Mythos, bald vergessen.

4.
Wie die Liebe mit uns spielt…!